Generationen-Check auf hoher See: Gen Z will Halligalli, Boomer bevorzugen das Besondere

Die Kreuzfahrt streift ihr Image als Ferienform für Seniorinnen und Senioren langsam ab. Zwar sind die Babyboomer weiterhin die stärkste Kundengruppe, doch Millennials und die Generation Z entdecken das Schiff zunehmend als flexible Erlebniswelt. Die Unterschiede zwischen den Generationen zeigen sich deutlich, sowohl bei der Reisedauer als auch bei der Wahl der Destination, dem Komfortanspruch und dem Buchungsverhalten.

Die Branche hat sich in den vergangenen Jahren stark gewandelt. Starre Tischzeiten, fixe Sitzordnungen oder formelle Kleidervorschriften gehören auf vielen Schiffen der Vergangenheit an. Heute bestimmen die Gäste selbst, wann sie essen, ob sie Jeans oder Sakko tragen und ob sie den Abend im Spezialitätenrestaurant, im Spa oder bei einem Live-Konzert verbringen. Fitnessbereiche auf Hotelniveau, grosszügige Wellnessanlagen und thematische Eventreisen sprechen gezielt neue Zielgruppen an. Das Schiff ist nicht mehr nur ein Transportmittel, sondern eine eigenständige Erlebnisplattform – mit Angeboten für unterschiedliche Lebensphasen.

Je jünger, desto kürzer und seltener auf dem Wasser

Ein Blick auf die Buchungszahlen von DERTOUR Suisse zeigt klar: Die Generation der Babyboomer (1946 bis 1964) bleibt mit 44,5 Prozent aller Buchungen das Rückgrat des Marktes. Sie reist im Schnitt 14 Tage und damit doppelt so lange wie die Generation Z (1995 bis 2010), die auf durchschnittlich 7 Tage kommt und derzeit gerade mal 3,5 Prozent der Buchungen ausmacht. 

Beim Blick aufs Budget zeigen sich ebenfalls markante Unterschiede zwischen den Generationen. Während die Babyboomer bei Kreuzfahrten am tiefsten in die Tasche greifen, gibt die Generation Z im Durchschnitt rund 74 Prozent weniger aus als die Babyboomer. Je jünger die Gäste, desto kompakter fällt nicht nur die Reisedauer, sondern auch das Budget aus. 

Von Lifestyle- bis hin zu Actionreisen

Auch bei der Wahl der Kreuzfahrt zeigen sich klare Unterschiede. Babyboomer suchen häufig das Besondere: Expeditionsreisen in Polarregionen, aussergewöhnliche Routen oder sogar Weltreisen stehen hoch im Kurs. Anbieter wie Ponant mit kleinen Expeditionsschiffen oder spezialisierte Flussreiseanbieter wie Rivages du Monde bedienen diese Nachfrage nach ‘‘weissen Flecken’’ auf der Weltkarte. Gerade bei Fernreisen schätzen viele Gäste dieser Generation organisierte Ausflüge und eine enge Betreuung.

Die Generation X verfügt zwar ebenfalls über Kaufkraft, aber oft nicht über mehrere Wochen Ferien am Stück. Reisen nach Nordeuropa, Asien, rund um Südamerika oder nach Alaska mit Landprogramm sind bei dieser Zielgruppe besonders gefragt. Dabei spielt das Ambiente eine zentrale Rolle: Boutique- und Lifestyle-Schiffe von Celebrity Cruises oder Explora Journeys treffen mit ihrem designorientierten, hochwertigen Konzept den Nerv dieser Zielgruppe. Gesucht wird Stil statt Massenanimation – Unterhaltung ja, aber dosiert.

Millennials wiederum stellen weniger die Route als das Gesamterlebnis ins Zentrum. Mittelmeer, Nordeuropa, Kanaren, Emirate oder Karibik – entscheidend ist die Vielfalt an Bord. Die Karibik gehört nach Mittelmeer und Nordeuropa zu den drei meistgebuchten Kreuzfahrtregionen bei DERTOUR Suisse, weshalb sie routentechnisch oft als Klassiker gilt. Millennials schätzen die Kombination aus unkomplizierter Organisation und maximaler Freiheit: Restaurants, Spa-Termine oder Landausflüge werden flexibel und teilweise kurzfristig gebucht.

Bei der Generation Z steht das Erlebnis noch stärker im Vordergrund. Mini- und Schnupperkreuzfahrten im westlichen Mittelmeer oder ab deutschen Häfen dienen häufig als Einstieg. Actionreiche Schiffe von Royal Caribbean oder moderne Flotten von MSC Cruises, TUI Cruises und AIDA Cruises positionieren sich bewusst als ‘‘Erlebniswelten auf dem Wasser’’. Kletterwände, Shows und Eventformate ersetzen das klassische Kreuzfahrtklischee. Gleichzeitig spielen Preis und Altersreglemente eine Rolle: Je nach Reederei können alleinreisende junge Erwachsene erst ab 21 Jahren selbstständig buchen. 

Romandie wählt bewusst 

Sprachlich bleibt der Markt bei DERTOUR Suisse klar deutsch geprägt. Über alle Generationen hinweg stammen mehr als drei Viertel der Buchungen aus der Deutschschweiz. In der Romandie hingegen ist die Bordsprache ein entscheidender Faktor. Angebote mit französischer Betreuung geniessen dort deutlich höhere Akzeptanz als rein englischsprachige oder deutsche Produkte. Ansonsten sind die Anforderungen an eine Kreuzfahrt über die Sprachregionen hinweg vergleichbar. 

Die Kreuzfahrt ist damit ein Spiegel gesellschaftlicher Entwicklungen: Während ältere Generationen Zeit und Budget für lange Entdeckungsreisen einsetzen, suchen jüngere Zielgruppen flexible, erlebnisorientierte Formate. Ein Produkt, vier Erwartungshaltungen – und eine Branche, die ihr Angebot konsequent auf diese Unterschiede ausrichtet.

Die Generationen im Überblick: 

  • Generation Z (1995 – 2010)
  • Millennials (1980 – 1995)
  • Generation X (1965 – 1979)
  • Babyboomer (1946 – 1964)